Fritz im Dialog - Kultur- und Kreativwirtschaft als Standortfaktor

26.04.2018

Den Chancen und Möglichkeiten der Kultur- und Kreativwirtschaft widmete sich die 16. Diskussionsveranstaltung „Fritz im Dialog“ am 10. April 2018 mit rund 80 Gästen in den Räumen der Göttingen musa. Gemeinsam mit den Podiumsteilnehmern Christoph Backes vom Kompetenzzentrum des Bundes, dem Leiter der Creative Commission Mannheim Frank Zumbruch, Prof. Dr. Reiner Schmidt von der Hochschule Anhalt sowie dem Verein Stadt als Campus e.V. und dem  Mitinitiator des Göttinger Netzwerkes Stellwerk Ulrich Drees diskutierte Fritz Güntzler über die Relevanz der Branche als weicher Standortfaktor sowie für die Entwicklung einer Stadt und ihre Wertschöpfung.

Die anfänglichen Impulsvorträge von Christoph Backes und Dr. Reiner Schmidt verdeutlichten die unterschiedlichen Ansätze, die Potentiale der Kultur- und Kreativwirtschaft nutzbar zu machen. Backes erläuterte, dass Kultur und Wirtschaft zwei Seiten der gleichen Medaille seien und daher eine enge Verbindung herrschen müsse. Diese Verbindung zu stärken und die verschiedenen Akteure miteinander zu koordinieren, sei Aufgabe des von der Bundesregierung initiierten Kompetenzzentrums. Backes stellte außerdem Kompetenzen und Fähigkeiten heraus, derer es bedürfe, um einen kreativen Prozess anstoßen zu können. Man müsse bereit sein, die individuellen Besonderheiten eines Standortes als Grundlage für die Konzepte zu nehmen und sich auf die Ansprüche und Wünsche der Nutzer einzulassen.

Ein Beispiel dafür, wie diese Entwicklung konkret aussehen kann, lieferte Prof. Dr. Reiner Schmidt mit seinem Projekt „Stadt als Campus“.  Die Grundidee sei es, wissenschaftliche Stadtentwickler mit Kreativschaffenden zusammenzubringen, um den Standort aktivieren zu können. Diese externen Maßnahmen sollten jedoch auf eine Eigendynamik abzielen. Der Stadt Göttingen attestierte Schmidt vielversprechende Ansätze, zum Beispiel das Kunstquartier oder das Forum Wissen, die es weiter zu fördern gelte.

In der anschließenden Diskussion verdeutlichte Frank Zumbruch verschiedene Ansätze der Förderung. Man könne entweder von oben nach unten agieren, zum Beispiel in Form von städtischen Gesellschaften und Stabsstellen, oder die Rahmenbedingungen schaffen, dass ein Engagement von unten nach oben, also von den Kulturschaffenden selbst, ermöglicht und unterstützt wird. Die Schwierigkeiten dieser Eigeninitiative schilderte Ulrich Drees, indem er von seinen Erfahrungen in Göttingen berichtete. Die unzureichende öffentliche Wahrnehmung sowie die fehlenden Ansprechpartner stellen Probleme dar, die nur durch eine Zusammenarbeit der Akteure behoben werden können.

Da die Kultur- und Kreativwirtschaft eine sehr weitläufige Branche sei, gelte es, einen Schwerpunkt auf bestimmte Teilgebiete zu setzen. Für Göttingen schlug Reiner Schmidt die Kombination aus Soziokultur und Kreativwirtschaft vor, die beispielsweise in der Musa praktische Umsetzung finde. Dieses Modell sei sehr innovativ und im Vergleich mit anderen Städten einzigartig. Damit die Chancen weiter gefördert und ausgebaut werden können, bedürfe es eines politisch legitimierten Beauftragten, der als Scharnier zwischen den Kreativen und dem Verwaltungsapparat agieren kann. Auch Backes unterstützte solch einen Koordinator und ergänzte, dass dieser mit entsprechenden Möglichkeiten und Befugnissen ausgestatten werden müsse, um tatsächlich handlungsfähig zu sein.

Während der Diskussion mit dem Publikum wurde auch von Seiten der Gäste die Forderung nach einer zentralen Anlaufstelle oder eines direkten und koordinierenden Ansprechpartners artikuliert. Auch eine klare Botschaft und ein Gesamtkonzept können helfen, die Vorhaben und Initiativen für Außenstehende greifbar zu machen. Gleichzeitig müsse man bereit sein, neue Wege zu gehen und von ursprünglichen Plänen abzuweichen, da die Prozesse dynamisch seien und diversen Wechselwirkungen und Einflüssen unterliegen.

 

Im Nachgang zur Veranstaltung wendete sich Fritz Güntzler mit einem Appell zur Schaffung eines Beauftragten für die Kunst- und Kulturszene in einem Brief an Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler. Nähere Infos hierzu finden Sie hier.